Peter Pitsch, 1963 in Herford geboren, zieht nach dem Schulabschluss und diversen Tätigkeiten nach Westberlin. Ende ´82 begibt er sich in die Niederlande, jobbt für eine Amsterdamer Modelagentur, gerät in den Sumpf der Drogenszene und wird schließlich wegen Drogenschmuggels inhaftiert. Aus dem Gefängnis entlassen, zunächst wohnhaft in Bielefeld, findet er Arbeit in einer Schlosserei und beginnt nebenbei Gedichte und Kurzgeschichten zu verfassen. Mitte der Achtziger lässt er sich gemeinsam mit seiner italienischen Freundin in Rom nieder und sammelt unterschiedliche Erfahrungen als Film- und Theaterschauspieler. Eine Vielzahl beruflicher Reisen - u. a. eine ausgedehnte Theatertournee - führen ihn in alle Gegenden des italienischen Festlandes sowie auf die Inseln Sizilien und Sardinien. 1988 lernt er seine spätere Frau kennen, zieht mit der gebürtigen Dänin nach Skandinavien und verbringt die Neunziger Jahre in Kopenhagen, wo seine Aufmerksamkeit vorwiegend der Schriftstellerei gilt. Unter widrigen Umständen erscheint 1993 sein Lyrikband ´Über der Welt´. Zwei Jahre später veröffentlicht der Verlag für Gegenrealismus unter dem Titel ´Der Abtrünnige´ eine 33teilige Parabel. Es folgt eine weitere Publikation in Form eines Kinderbuches, darüber hinaus Gedichte und Kurzgeschichten, die in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien erscheinen. Nach der Jahrtausendwende wohnt er in der Stadt Nykøbing auf der Insel Falster, widmet sich seither neben der literarischen Arbeit der Renovation alter Häuser. 2008 gelingt ihm der künstlerische Durchbruch mit der bissigen Satire ´Das Kuckucksei-Syndrom´. Im Jahr darauf erscheinen der zeitgenössische Lyrikband ´Übelungen´ (Verlag Wortgewaltig) sowie der autobiografische Roman ´Ins Ungewisse´ (Tordenfjord Verlag).

Darüber hinaus betätigt er sich als Rezensent. Aktuelles Buch: W-E-L-T, Thriller.

 

 

 

 

 

DER ABTRÜNNIGE übt Nachsicht auf jene und erspart ihnen deshalb auch, dass er weiterhin ihrer Meinung sein und ihren Modeerscheinungen folgen muss, was sie an und über ihn nicht in der Lage sind zu begreifen und ihn daher für unmöglich und für ausgeschlossen halten.

Mehr eine Frage oder ein Rätsel, obwohl er doch klar und deutlich selbst die Antwort darauf ist oder darauf gibt, ist DER ABTRÜNNIGE deshalb für jede Gesellschaftsform, welcher er den Rücken zugekehrt hat, und die seine Nebenrechte, auch darum Mensch und Individuum zu sein, gar nicht mehr wahr haben wollen und nicht akzeptieren können, ein Dorn im Auge. Weil mit dem ABTRÜNNIGEN die Streitmacht der für sie Verlorenen wächst und mit ihnen zusammen das uneinnehmbare Nomadentum im Denken

 

 

Günther Dienelt  (1954-1996)

 

 

 

 

Regen; augenlose Huren, in schaukelnden

Karossen, auf Straßen, die aus den

Städten hinausführen. Bleiche Gestalten,

Umrisse zwischen den Gegenständen, die

sie benützten. Aus dem Haar gewaschen,

den Toilettengeruch, um den Spiegeln

zu entgehen, in denen man das Make-up

auftrug, die Intelligenz aus dem Gesicht

zu wischen, das man anderen geben wollte

und gab. Männer, die schwarze Armbinden

tragen, da man sie verließ, aus Angst

sie zu töten. 

 

Günther Dienelt

 

 

"Die Unendlichkeit der bitteren Räume"

(Desire & Gegenrealismus, 1980)