Im Stau

 

Der Asphalt schmilzt und Dampf steigt auf

salzig ist der Schweiß und über dem Bürgersteig

stöckelt ein Mädchen aus dem Ei gepellte Brüste

grelle Schminke Lippen unter Zellophan geschürzt

die Stilaugen an ihr diabolisches Tattoo geheftet:

leck mich mit all deinen Philosophien und berühr

lieber meine nackte Haut mit schamloser Zunge

Sex ist der ultimative Fix zum Überleben was

Tag für Tag an Symbolik auf uns eindrischt

Fluchtweg aus dem Stau der Gedankenschleife

festgefahren wie mein Käfer am Mittelstreifen

Atemnot in einer zerbeulten Taucherglocke

rechts und links von mir ein orchestriertes Fuchteln

mit Handys vor Mündern die alles verraten haben

stumme Schaufensterpuppen hinter Glas postiert

Ampellicht das träge auf den Scheiben ausblutet

kein Grün der Hoffnung ehe mir schwarz wird.

 

 

 

 

Jesus, heute

 

Wenn die Scheinwerfer auf ihn

fielen, was würde Jesus predigen

wollen, und falls eine wirre Menge

unsichtbar und gierig auf Lauer

läge im Gott-Medium Internet?

 

Die Ringe eines Baumes zögen

sich um sein Herz, um Jahre

im Voraus den Tod zu ersehnen

in einem einzigen sprachlosen

Gebet an ferne Stille gerichtet.

 

Sein Antlitz sähe er schwinden

auf einen roten Punkt der unter

Millionen Bildschirmen leuchtet

im Modus Standby und nur die

Tierwelten ergäben noch Sinn.

 

Darin verweilen! in diesem Atem

aller Katzen zusammengerollt bis

zum Jüngsten Tag, altersschwach

vergehen bis niemand ihn vermisst

und das Wort endgültig verklingt.

 

 

 

 

Geister

 

Hockst du vor dem Café am Trafalgar Square

oder ein anderer?

unter der Farblosigkeit eines 

wolkenverhangenen Nachmittags laufen

Leute über das Trottoir

zielstrebig mit geübter Nonchalance

jeder auf seinem eigenen Trip

zwanzig Grad überm Gefrierpunkt

gurrende Tauben und der Schädel

von einem Zwiespalt umkreist.

Am maroden Faden baumelt

dein Verstand seit frühen Jahren

an ausgestopften Tagen ohne Aufbegehren

vom Wissen geplagt, ein substanzloses Leben

über Programme und Rituale definiert

eine Tour auf Schienen

planmäßig die Enge durchmessend

Entgleisung als einzige Möglichkeit

ins Dasein auszubrechen

 

---------------------Zerbröckelung

                  der----------------------------------

----------------------------------------Person

 

"Ist der Platz noch frei?"

fragt eine Stimme aus nächster Nähe

und du hebst die Stirn

aufgeschreckt aus dem Befremden

und plötzlich - in den Gedanken des anderen -

findest du dich wieder, zweigeteilt mitten 

im Niemandsland inmitten zweigeteilt.

 

 

 

 

Wunder über Wunder

 

Schäbiges Hotel, schmale Gassen

nur von weit, atemlose Geräusche

verlorener Stadt, das ewig dumpfe

Dröhnen, der ewig gleiche Klang

fast greifbar, und doch kein Teil von mir

als wäre ich in einer Höhle gefangen

seltsam mutet es mich an, den Kopf

gebettet wie auf steinernem Grund

Stätte längst vergangener Schläfer in

diesem, in sich schweigendem Zimmer.

Außerhalb meines Seins schreiten

die Rituale müder Schwärme voran

aus allen Wolken geholt, durch die

lähmende Kraft vorbestimmter Ziele

zum Zwang entartet, wie die sinnlose

Sinnsuche des empirischen Schädels

unentwegtes Ringen mit dem Paradox

an das Unerreichbare heranzureichen,

"Wunder über Wunder", denke ich mir

ich jedoch warte hier, hingestreckt wie

so oft, und habe noch keins gesehen.

 

 

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MMMMMMM

 

 

 

MMMM

 

 

 

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